Teilnehmer: Niclas Schäfer, Marius Merz, Jannis Pfeifer, Phillip Pietsch, Milan Pohl, Lisa Ballat, Colin Wawrik, Christiane Helbrecht

Für die diesjährige Sommerexkursion ging es für den APV Darmstadt nach Süddeutschland, und zwar genauer gesagt nach Lenningen zur Papierfabrik Scheufelen und nach Kehl am Rhein, wo wir dortigen Standorts der Koehler Paper Group besichtigten.

Donnerstag den 18.05: Papierfabrik Scheufelen in Lenningen

Nach einer entspannten gemeinsamen Anfahrt nach Lenningen wurden wir herzlich von Gerrit Lund, dem technischen Leiter der Papierfabrik Scheufelen, in Empfang genommen. Gerrit hatte eine spannende Führung durch die geschichtsträchtigen Produktionsanlagen vorbereitet, lud uns jedoch zunächst ins nahe gelegene Museum für Papier- und Buchkunst ein. Begleitet wurden wir von Daan Waubert de Puiseau, Inhaber/Leiter von econovation und alter Freund von Gerrit.

Bei einer Führung durch das Museum für Papier- und Buchkunst, gelegen im malerischen Oberlenninger Schlössle, wurde uns viel Interessantes über die eng verwobene Geschichte des Ortes Lenningen und der Papierfabrik Scheufelen erzählt.

Die Geschichte der Papierfabrik Scheufelen geht bis ins 18. Jahrhundert zurück: Im Jahre 1769 wurde am gleichen Standort eine Papiermühle zur Herstellung von jährlich 2000 Bogen Groß-Schreibpapier für die herzogliche Verwaltung gegründet. 1855 übernahm Carl Scheufelen die Papiermühle und baute sie schrittweise zu einer Papierfabrik aus. Zunächst durch die Produktion von Packpapieren, ab 1876 durch die Fertigung von Schreib- und Druckpapieren, wuchs das Familienunternehmen schnell. Mitte der 1950er Jahre zählte das Unternehmen etwa 2000 Mitarbeiter. Berüchtigt ist das Unternehmen für seine Kunstdruckpapiere und seine jährlich erscheinenden Kunstdruckkalender. 1969 flog ein feuerfestes Lenninger Spezialpapier mit der Apollo 12 zum Mond.

Bei der Führung durch das Museum gab es viele Papierkunstwerke zu sehen. Darunter waren kunstvoll gerissene Buchskulpturen, ein in mehreren Ebenen geklebter Karton-Beuys (ein Portrait, leider kein Werk von Beuys) und einige typographische Schmuckstücke. Sehr begeistert waren wir auch von einer Mikro-Fassung der 10 Gebote, die nur wenige Millimeter groß war.

Im Anschluss an den Museumsbesuch wurden wir durch die Produktionsanlagen von Scheufelen geführt. Das Unternehmen setzt heute auf die Produktion hochwertiger Verpackungskartonagen in Grammaturen von 160 bis 450 g/m². Gerrit Lund führte uns zunächst durch eine neu eingerichtete Halle des Unternehmens, in der gemeinsam mit Professoren und Studenten des Studienganges “Packaging, Design & Marketing“ der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart an neuen Verpackungsdesigns geforscht wird. Dabei kommt seit einigen Monaten Graspapier zum Einsatz. Graspapier wird zu 50 % aus sonnengetrockneten Gras aus dem Lenninger Umland hergestellt und soll in hochwertigen Verpackungen zum Einsatz kommen. Gerrit führte uns schließlich durch die Produktionsanlagen, was nicht nur für die neueren APV-Mitglieder eine beeindruckende Erfahrung werden sollte. Da während der Besichtigung eine Papiermaschine gerade zu Wartungszwecken außer Betrieb genommen war, hatten wir die Möglichkeit direkt am Langsieb zu stehen und uns in aller Ruhe die Papiermaschine aus nächster Nähe zeigen zu lassen. Bei einem Halt an der Zellstoff-Entdrahtung, wurden wir eingeladen aktiv mitzudiskutieren, wie weitere Optimierungen zu beschleunigten Produktionsabläufen bei gleichzeitiger Verbesserung der Arbeitssicherheit führen können. Ein kleines Highlight war die Besichtigung der firmeneigenen Kläranlage, wo wir viel über die Abwasserreinigung lernen konnten und diskutierten, wie eine geschicktere Leitung von Abwasserströmen in Zukunft die Last auf die Kläranlage verringern könnte. Unsere Führung endete in einem Konferenzraum mit wunderschönem Blick auf Lenningen.

Hier bot unser Begleiter Daan an, etwas über seine eigene Erfindung, den ecowirl, zu erzählen. Die sehr interessante Präsentation über die rasche, dosierte Beimischung von Retentionsmitteln wenige Meter vor dem Stoffauflauf endete in einer angeregten Diskussion. Die Herausforderung bei der Beimischung von Retentionsmitteln besteht in dem kurzen Weg zum Stoffauflauf und der gleichzeitigen Forderung einer guten, gleichmäßigen Durchmischung über den gesamten Rohrdurchmesser.

Eine etwas ungewöhnlich actionreiche (Golfball große Hagelkörner…) Fahrt führte uns im Anschluss auf das nahegelegene Harpprechthaus Lenningen/Schopfloch, wo wir fürstlich bewirtschaftet wurden und bei ein paar Bieren gemütlich den Abend ausklingen ließen. In kuschligen Mehrstockbetten liegend, hatten wir Gelegenheit die Erlebnisse des Tages revue passieren zu lassen und dem leisen Schnarchen unserer APV-Kollegen zu lauschen…

Ein besonderer Herzlicher Dank geht an Gerrit Lund und Daan Waubert de Puiseau für die spannende Führung, viele interessante Gespräche und einen sehr schönen gemeinsamen Abend! Hoffentlich ist das Wetter beim nächsten Mal besser und die eigentlich geplante Wanderung kann nachgeholt werden.

Wir sind schon sehr gespannt auf den baldigen Besuch Daans in Darmstadt! Er wird uns einen kleinen Vortrag mit anschließendem persönlichen Coaching-Training anbieten.

Freitag den 19.05: Papierfabrik Koehler Kehl am Rhein

Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen machten wir uns auf die Weiterreise nach Kehl am Rhein zur Koehler Paper Group. Dort wurde wir von Herrn Boschert, Leiter der Technical Division, herzlich empfangen. Bei Begrüßung und anschließender Vorstellung des Familienunternehmens Koehler Paper Group wurde uns die Unternehmensgeschichte seit Gründung 1807 erzählt, auf die Stärken des Unternehmens und ausführlich über die Herstellung der verschiedenen Produktpaletten weltweit und speziell am Standort Kehl referiert.

Die Koehler Paper Group beschäftigt deutschlandweit circa 1800 Mitarbeiter, alleine davon circa 600 Menschen in Kehl am Rhein. Der Umsatz liegt bei 700 Millionen Euro, bei einem Absatz von einer halben Milliarde Tonnen Papier. In Kehl hat sich Koehler Paper Group auf die Herstellung von hochspezialisierten Thermopapieren konzentriert und konnte sich über die Jahre als weltweit führender Hersteller in diesem Segment etablieren. Hochmoderne und wirtschaftliche Produktionsanlagen garantieren, dass die ständig steigende Nachfrage gedeckt werden kann.

Im Anschluss an den Vortrag wurde wir zum Mittagessen in die Betriebskantine eingeladen und konnte uns mit Mitarbeitern über deren Erfahrungen und Aufgabenbereich vor Ort austauschen. Da Kehl an der französisch-deutschen Grenze liegt, ist das Arbeitsumfeld kulturell vielfältig. Dies wurde besonders bei Gesprächen in der Mittagspause deutlich.

Im Anschluss wurde uns eine zweistündige Werksführung geboten und wir konnten den Herstellungsprozess von Thermopapier von der Anlieferung des Zellstoffs bis zum Abtransport der fertigen Tamboure verfolgen. Aushängeschild der Produktion ist der Curtain-Coater. Dieser ist weltweit einer der schnellsten seiner Art. Er bringt den Strich auf die Papierbahn auf und verleiht damit dem Papier erst die gewünschten Thermodruckeigenschaften. Diesen konnten wir zufälligerweise als wir in der Halle waren anlaufen sehen. Dabei wird zunächst das Papier auf Fahrt gebracht – der Curtain läuft in eine Auffangwanne. Hat die Bahn dann ihre Geschwindigkeit erreicht, wird die Wanne zur Seite gefahren und der Curtain trifft auf das mit etwa 1.700 m/min laufende Papier. Sehr beeindruckend!

Nachmittags ging es dann für uns auf die andere Rheinseite nach Straßburg. Mit der neu gebauten Straßenbahn ist es sehr bequem und mit wenig Zeitaufwand verbunden, kurz nach Frankreich zu fahren. Die Fahrt dauerte nur eine Viertelstunde et voila tout le monde parle de francais.

Straßburg ist mit seiner romanisch-gotischen und geschichtlich geprägten Architektur, seiner historischen Altstadt mit vielen engen Gassen, elsässischen Fachwerkhäusern, Wasserkanälen und Plätzen Weltkulturerbe, sowie Reiseziel für viele Touristen aus Nah und Fern. Ganz besonders hat uns die Bootsfahrt auf dem Rhein gefallen, da wir so bequem viele Sehenswürdigkeiten geboten bekommen haben, wie etwa das Gerberviertel, den Straßburger Münster aus der Ferne oder das Europäische Parlament.

Abends haben wir uns wieder auf den Rückweg nach Kehl begeben und konnten den Tag mit einem sehr leckeren Abendessen im “Lamm” ausklingen lassen. Der APV- Darmstadt möchte sich hiermit nochmals ganz herzlich bei Herrn Boschert und seinen Kollegen für die Einladung und das sehr gelungene Tagesprogramm bedanken!

Samstag, den 20.05: Stadtbesichtigung Straßburg

Samstags sind wir nochmal nach Straßbourg gefahren um neben der gestrig besuchten Altstadt noch weitere Eindrücke zu erhalten. Beim Spazieren durch die Gassen haben wir viele kleine Cafes und schöne Plätze entdeckt die zum Sitzen und Entspannen einladen.

Zum Abschluss haben wir auf dem Place Saint-Thomas halt gemacht, Flammkuchen zu mittag gegessen und einem Kinderchor beim Musizieren zugehört. Nach drei spannenden und erlebnisreichen Tagen mit vielen neu gewonnenen Erfahrungen wurde schließlich die  Heimreise nach Darmstadt angetreten. Die Zeit verging wie im Flug, wir nehmen aber viel Motivation für die kommenden Wochen mit!

Die Aktiven bedanken sich ganz herzlich bei den Gastgebern und allen Unterstützern!